Schilddrüsenunterfunktionen

Folge 4: Schilddrüsenunterfunktionen

Fibromyalgie und Schilddrüsenunterfunktionen sind Erkrankungen, die sehr oft miteinander verwechselt werden. D.h., genau betrachtet werden Schilddrüsenunterfunktionen mit der Fibromyalgie verwechselt und nicht umgekehrt. Doch nun geht es weiter mit meiner Forschungsgeschichte:

Nachdem mein Blutzuckerspiegel dauerhaft wieder stabil war, ging es mir einerseits sehr viel besser. Die Kraftlosigkeit hatte sich etwas gebessert, mein Antrieb war wieder spürbar. Die Muskelschmerzen- und Verspannungen waren nur noch im Schulterbereich zu merken. Der Fibro-Nebel: Konzentrations- Orient,ierungs- und Merkfähigkeitsstörungen, Schwindel, Migräne und vieles mehr waren verschwunden. Auch meine Polyneuropathie: Hexenschuss, Ischias, Arme und Schultern verbesserten sich ca. um 50% und wurden nicht mehr akut.

Andererseits wurden die verbliebenen Symptome weiterhin schlechter: Mangelnde Belastbarkeit, unzureichende Stresstoleranz, Haarausfall an Kopf und Körper, auch die Augenbrauen verabschiedeten sich. Muskel-und Gelenkschmerzen, Tremor in den Händen, Armen, Füßen und Beinen. Muskelkrämpfe in Waden, Fußzehen und Brustmuskeln. Mitte 40 litt ich unter der „Schaufensterkrankheit“, die nur alte Menschen befällt. Meine Beine fühlten sich nach einer kurzen Wegstrecke wie Fleischklumpen an, die nicht zu mir gehörten. Aufgedunsen, doppelt so dick, als würden sie gleich platzen. Bei weiterer Belastung wurde es so schmerzhaft, dass ich immer wieder stehen bleiben und mich ausruhen musste. Das Einzige, das half, war die Beine hochlegen zu können, was nicht in jeder Situation ging. Zeitweise brannte meine Haut wie Feuer und Berührungen waren kaum erträglich. Außerdem litt ich an ständig wiederkehrenden blutigen Blasen- und Nierenbeckenentzündungen, die auf keine Antibiotika reagierten. Meine Augen schwollen täglich zu und eine bleierne Müdigkeit trieb mich von einer Erschöpfung in die Andere. Eine richtige Erholung war nicht mehr möglich.

Hier ist noch eine andere Krankheit im Spiel, dachte ich. Noch durfte ich mich nicht zurücklehnen und ausruhen, ich musste weiter forschen. Vier hormonelle Vorgänge standen noch zur Option: Schilddrüse, Sexualhormone, Gehirnstoffwechsel und die Nebennieren bzw. die Hypothalamus-Hypophyse-Nebennieren-Achse (HHNA), die für die Stressantwort verantwortlich ist.

Ich entschied mich für die Schilddrüse, weil die verbliebenen Symptome und meine Familiengeschichte auf sie hindeuteten:

  1. Meine Mutter hat Morbus Basedow, eine autoimmune Schilddrüsenerkrankung
  2. Ich hatte in jungen Jahren einen Knoten in der Schilddrüse, der mit L-Thyroxin behandelt wurde.
  3. Alle Symptome, die nach der Einstellung des Blutzuckers übrig waren, deuteten auf Hashimoto.
  4. Ich hatte eine Störung im Blutzucker, ohne der Risikogruppe anzugehören. Sie Schilddrüse ist an der Regulierung des Blutzuckers entscheidend beteiligt und umgekehrt.

Mein Orthopäde, dem eine Schwellung an der rechten Seite meines Halses aufgefallen war, bestand darauf, ein Blutbild zu machen. Ich erhielt das beste Blutbild meines Lebens, selbst der TSH von 4,18 ml/U/l lag unterhalb der damaligen Grenznorm von 5,50 ml/U/l. Heute weiß man, dass die Grenzwerte des TSH viel zu hochgesteckt waren. Ab 2,5 ml/U/l kann eine latente Unterfunktion vorliegen. Dennoch gehen immer noch viele Ärzte von 3 ml/U/l als oberen Grenzwert aus, der für viele Patienten schon zu hoch ist. Mein Arzt ließ sich erweichen, nachdem ich ihn bildlich auf Knien anflehte, die Antikörper auf Hashimoto zu testen. Das Ergebnis war positiv, ich hatte keine Fibromyalgie, sondern Hashimoto! Die Ursache meiner Symptome war gefunden.

In der Nuklearmedizin stellte man 14 Tage später fest, dass ich linksseitig nur noch ¼ Schilddrüsengewebe besaß, der rechte Schilddrüsenlappen war vollständig weg und wurde von einem gleichgroßen Knoten ersetzt, der sich mit Wasser gefüllt hatte. Das Szintigramm ergab 40 % Schilddrüsentätigkeit, obwohl der TSH mit 1,8 ml/U/l und auch die Schilddrüsenhormone normale Werte aufwiesen. Ich bekam 50 mcg L-Thyroxin und glaubte gerettet zu sein. Stattdessen begann eine lange Leidenszeit, denn Hashimoto ist auch eine Krankheit, die von Ärzten nicht ernst genommen und so gut wie gar nicht begleitet wird. Nicht selten kommt es vor, dass ein Patient mit seiner 50 mcg Dosis L-Thyroxin heimgeschickt und erst ein Jahr später zur Kontrolle einbestellt wird. Angeblich sollen sich die Symptome von Hashimoto mit der Hormonbehandlung vollständig zurückbilden und die Arbeitsfähigkeit schnell wiederhergestellt sein. Aber zu dieser Kategorie gehörte ich leider zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Merke:

  1. Hinter den Fibromyalgie-Symptomen stecken in der Regel zwei bis mehr Erkrankungen aus dem hormonellen, neurologischen und immunologischen Bereich. Hashimoto und Blutzuckerstörungen sind zwei von vielen möglichen Kombinationen.
  2. Hinweise geben die Familiengeschichte und eigene Vorerkrankungen. Die Anlage, eine Autoimmunerkrankung zu entwickeln ist erblich, aber welche Autoimmunerkrankung sich entwickelt, ist unterschiedlich.
  3. Hashimoto ist nicht im Blut erkennbar, obwohl die Schilddrüsentätigkeit schon stark reduziert ist. Eine Untersuchung in der Nuklearmedizin ist daher unerlässlich. Aber auch dort wird Hashimoto nicht gleich nach der ersten Untersuchung gefunden. Hashimoto kann niemals ausgeschlossen und nur durch Antikörper bestätigt werden. Diese sind häufig nicht oder erst Jahrzehnte nach Ausbruch der Erkrankung vorhanden.
  4. Die Normwerte für den TSH sind oft falsch, denn je nach Labor wird nach unterschiedlichen Normwerten gearbeitet. Ab 2,5 ml/U/l kann eine latente Unterfunktion vorliegen, was niemals beachtet wird.
  5. Hashimoto gehört zu den Stiefkindern der Medizin und wird nicht ausreichend medizinisch überwacht und begleitet. Auch bei der Stellung eines Rentenantrags oder einer Schwerbehinderung wird Hashimoto nicht berücksichtigt. Ein schlecht eingestellter Hashimoto kann weiterhin für schwerwiegende Symptome sorgen, die zu der Doppeldiagnose Hashimoto-Fibromyalgie führen. Dass alle Formen der Schilddrüsenunterfunktion bei Fibromyalgie zu den Ausschluss Kriterien gehören, scheint kein Arzt mehr zu wissen.

https://www.psycho-therapie-fibromyalgie.com/category/hashimoto-und-andere-unterfunktionen-der-schilddruese/