Fibromyalgie: Vier Erklärungsansätze auf einen Blick

Vier Erklärungsansätze auf einen Blick

Vier Erklärungsmodelle haben sich durchgesetzt, die alle einen Teil zur Lösung des Rätsels FMS beitragen können und Betroffene haben die Möglichkeit, sich Antworten zusammenzusuchen. Leider gibt es  viele Selbsthilfegruppen, die unterschiedliche Erklärungsmodelle für FMS und Co haben, aber teilweise miteinander konkurrieren, statt zusammenzuarbeiten.

Die Schmerztheorie geht von einer Schmerzerkrankung unbekannter Ursache aus. Das multimodale Therapiekonzept ist hilfreich, um die Symptome einige Zeit mehr oder weniger zu lindern und sollte auch dringend genutzt werden. Die wirklichen Ursachen werden aber weder gesucht noch GEFUNDEN und viele Ärzte und Betroffene verwechseln Fibromyalgie mit unbekannter Ursache, mit Krankheiten, deren Ursache bekannt ist und die typischen Fibromyalgie Symptome aufweisen. Fibromyalgie ist keine Schmerzverarbeitungsstörung, sondern eine Stressverarbeitungsstörung.

Die Guaifenesin Therapie von Dr. Amand sieht die Ursache der FMS in einem fehlenden Enzym, das Phosphate abbaut, die sich, in Muskeln und Gelenken einlagern und Schmerzen verursachen. Guaifenesin, ein pflanzliches Hustenmedikament, soll dieses fehlende Enzym ersetzen und die Stoffwechselstörung beseitigen. Diese Theorie ist falsch, wird aber von ihren Anhängern massiv verteidigt. Aber Amands Beobachtung, dass FMS häufig mit Blutzuckerschwankungen von Unterzuckerungen bis zum Diabetes einhergeht und sich mit den Fibromyalgie-Symptomen überschneiden, ist richtig. Eine kohlenhydratarme Ernährung kann relativ schnell Abhilfe schaffen, denn der Blutzucker ist einer der zentralen Dominosteine, der im Verlauf der FMS purzelt. Amand ist einer der wenigen Ärzte, die mit dem Mythos: Unterzuckerungen, Blutzuckerschwankungen und Diabetes seien nicht schmerzhaft, aufgeräumt haben. Anhänger der Guaifenesin Therapie profitieren daher von der Erkenntnis, dass ein zentraler Dominostein, der Blutzucker, gefunden und behandelt wird

Prof. Bauer, ein Handchirurg, glaubt die Ursache der FMS in Eiweißablagerungen an den Akkupunkturpunkten gefunden zu haben, die operativ entfernt werden können. Diese Operationen werden von der Krankenkasse nicht bezahlt, sind sehr teuer und nicht nachhaltig, weil diese ominöse Stoffwechselstörung als Ursache nicht belegt ist und auch wiederkommt. Richtig ist aber, dass neben einer körperlichen Überanstrengung, auch hormonelle Störungen z.B. in Schilddrüse und Blutzucker zu orthopädischen Problemen führen können, die operativ beseitigt werden müssen. Karpaltunnelsyndrom, Schnappfinger und Verengungen von Bändern und Sehnen in Händen und Füßen sind häufige Folgeschäden lang anhaltender Hormonstörungen. Richtig ist darum auch, dass FMS Betroffene gehäuft bei einem Hand- oder Fußchirurgen vorstellig werden. Ohne eine entsprechende Diagnose, vier überteuerte Operationen vornehmen zu lassen, ist nicht nachvollziehbar.

Befürworter der Psycho-neuro-endokrinen-immunologie gehen von mehreren Ursachen bei FMS und Co aus, welche in den Steuerungssysteme des Körpers zu finden sind. Diese Steuerungssysteme sind untrennbar miteinander verwoben, dass bei anhaltenden Störungen ein System nach dem anderen zusammenbrechen kann = Dominoeffekt. Die Psyche wird zwar in Mitleidenschaft gezogen, aber sie ist nur selten eine der Ursachen. Jede Ursache ist ein Dominostein, der wieder aufgestellt werden muss. Der biochemische Ansatz ist eine Synthese aller vorgestellten Modelle und beantwortet viele  Fragen, welche bei den anderen Modellen offen bleiben.

Das Feld der biochemischen Sichtweise ist groß und kompliziert, in das man sich hineinarbeiten muss. Hier besteht die berechtigte Hoffnung, den Ursachen der Symptome der FMS auf den Grund zu kommen und Verbesserung herbeizuführen.