Diagnose Fibromyalgie! Und was kommt jetzt?

Was Sie wissen sollten

So betitelt Joachim Peters, der an Fibromyalgie leidet, seinen Ratgeber und kommt zu dem Ergebnis, dass für Betroffene früher oder später ein Rentenverfahren unausweichlich bleibt. Diagnosen haben nach Manfred Lütz (Psychiater und Psychotherapeut) nur den Sinn, erkrankten Menschen eine hilfreiche Therapie zukommen zu lassen. Kann eine Diagnose dies nicht leisten, ist sie nach Lütz weder wahr noch unwahr, sondern wenig hilfreich. In diesem Fall schlägt er einen Perspektivenwechsel vor. Ein Perspektivenwechsel bedeutet, sich die Diagnose Fibromyalgie aus dem Blickwinkel der Nützlichkeit für die dahinterstehende Theorie und der daraus abgeleiteten Therapie, zu betrachten.

Wie nützlich ist die Diagnose Fibromyalgie für Betroffene? Zum einen bringt sie zunächst eine große Erleichterung und befreit Betroffene von dem Stigma des „arbeitsscheuen Simulanten“ oder des „völlig verrückten Irren“. Die Diagnose Fibromyalgie liefert Erklärungen für das bisher Unerklärliche, was zunächst zur Beruhigung der Betroffenen und seiner Umwelt beiträgt. Auch Hoffnungen auf neue therapeutische Möglichkeiten erwachen, die sich allerdings letztlich nicht erfüllen. Zum anderen birgt die Diagnose Fibromyalgie die Gefahr der therapeutischen Stagnation. Unheilbar und austherapiert heißen hier die Schlagworte, welche die Suche nach weiteren möglichen Ursachen beenden. Sowohl bei Ärzten, als auch bei Betroffenen.

Wie nützlich sind die etablierten Theorien für Fibromyalgie-Betroffene, die sich um die „Wahrheit“ streiten, anstatt gemeinsam nach ihr zu suchen. Nach Lütz ist eine Theorie weder unwahr noch wahr. Ausschlaggebend ist auch hier, ob sie für Betroffene hilfreich ist, oder nicht. Meiner Erfahrung nach enthält jede der etablierten Theorien für sich genommen etwas nützliches, aber nicht genug, um Fibromyalgie-Betroffenen einen zufriedenstellenden, hilfreichen Behandlungsansatz zu bieten.

Ein Perspektivenwechsel bei Fibromyalgie bedeutet, die hilfreichen Therapieangebote der unterschiedlichen Erklärungsmodelle zu nutzen, und weiter nach hilfreicheren Erklärungsansätzen und Therapiemöglichkeiten zu suchen. Demnach gibt es Menschen, die unter den Symptomen der Fibromyalgie leiden. Was Fibromyalgie ist, muss noch geklärt werden.

Psychoneuroimmunologische Forschungen gehen davon aus, dass die Ursachen der Fibromyalgie und ähnlichen Erkrankungen auf Störungen des Immun-, Hormon-und Nervensystems zurück zu führen sind. Aufgrund der Vernetzung dieser Systeme stellen sich z.B. bei einer Autoimmunerkrankung auch neurologische und hormonelle Beschwerden ein. Ein hoffnungsvoller Ansatz!

Literatur:

Joachim Peters: Diagnose Fibromyalgie. Und was kommt jetzt? Was Sie wissen sollten (2009). (Wenig hilfreich)

Manfred Lütz: IRRE! Wir behandeln die Falschen. Unser Problem sind die Normalen (2009) Gütersloher Verlagshaus.

Christian Schubert: Psychoneuroimmunologie und Psychotherapie (2011) Schattauer.