Fibromyalgie und die Hilflosigkeit der Ärzte

Fibromyalgie und die Hilflosigkeit der Ärzte

Was tun, wenn Ärzte hilflos sind? Leider treffen Fibromyalgie-Betroffene auf die Hilflosigkeit der Ärzte, wenn sie nach Hilfe suchen.  Oder sie begegnen Ärzten, welche die Schwere der Krankheit und das Leid der Betroffenen nicht ernst nehmen und mit Medikamenten geizen, dort wo sie nötig sind. Noch viel zu oft wird Fibromyalgie als psychische Erkrankung angesehen. Medikamente sind wichtig, um auszuhalten und durchzuhalten.

Aber sie halten die fortschreitende Krankheit nicht auf!!!

Das Rätsel Fibromyalgie wird nicht in den Arztpraxen gelöst werden, so viel ist zurzeit sicher. Fibromyalgie-Betroffene sollten die Antwort auf ihre Erkrankung auf Dauer nicht dort suchen, wo sie nicht zu finden ist. Das frustriert, blockiert und macht blind für Alternativen. Diese sind tatsächlich schwer zu finden, denn das Internet ist mittlerweile voll von Angeboten, die viel Geld kosten und nicht helfen.

Wissenschaftliche Erkenntnisse sind jedenfalls seriöser, als Kräutermischungen und Kirschkernkissen. Leider dauert es bekanntlich sehr, sehr lange, bis neue Erkenntnisse anerkannt werden und bis sie sich in die Arztpraxen durchgesetzt haben. So viel Zeit haben Fibromyalgie-Betroffene nicht!!!!!

Bisher gab es in der Medizin nur körperlichen und psychischen Ursachen. Wurden keine körperlichen Ursachen gefunden, konnten die Beschwerden nur psychisch sein. Diese Denkweise befindet sich, durch die Psychoneuroimmunologie, auf wissenschaftlicher Ebene im Umbruch. Das Augenmerk der Wissenschaftler richtet sich gesondert auf eine dritte Ebene des Körpers, nämlich auf seine Steuerungssysteme. Diese sind das Immun-Nerven- und Hormonsystem. Sie biochemische Vorgänge dauerhaft gestört, wirkt sich dies fatal auf den Körper aus. Aus Sicht der Psychoneuroimmunologie lässt sich das Rätsel Fibromyalgie lösen, verstehen und behandeln.

Bis sich diese revolutionären Erkenntnisse in der Medizin durchgesetzt haben, ist die Eigeninitiative der Betroffenen weiterhin gefragt. Ihr solltet Euch informieren, neue Wege ausprobieren, möglichen Ursachen nachgehen, notwendige Untersuchungen einfordern, Mitspracherecht bei der Medikation haben und hilfreiches an andere Betroffene und Ärzte weitergeben.

Auch ich gebe mein Wissen, hoffentlich nachvollziehbar, Schritt für Schritt, an Euch weiter. Nicht nur Theorie, sondern auch wie ihr euch selbst helfen könnt. Aber nach und nach, denn das Thema ist sehr kompliziert.

Ein medizinisches Rätsel unserer Zeit

Fibromyalgie, ein medizinisches Rätsel unserer Zeit

Kaum jemand der deutschen Bevölkerung kennt die Krankheit Fibromyalgie, obwohl bis zu 5% von ihr betroffen ist. Für Ärzte ist Fibromyalgie immer noch ein medizinisches Rätsel. Doch sie breitet sich weltweit aus wie eine unsichtbare Epidemie, vor allem in den westlichen Industrieländern.

Fibromyalgie ist eine heimtückische organische Erkrankung unbekannter Ursache, die als unheilbar gilt und nur unzureichend therapierbar ist. Leitsymptome sind generalisierte Muskel- und Gelenkschmerzen, Neuralgien, Schlafstörungen und Erschöpfung. Die betroffenen Menschen verschwinden langsam und lautlos aus unserer Mitte, da eine Teilhabe am beruflichen, kulturellen und sozialen Leben immer weniger möglich wird.

Betroffene müssen sich auf eine langjährige Odyssee begeben, auf der Suche nach medizinischer Hilfe bei Ärzten aller Fachrichtungen, die selber vor einem Rätsel stehen. Erklärungsansätze gibt es einige, ein medizinischer Durchbruch ist jedoch nicht in Sicht. Die Anzahl der Fehldiagnosen ist hoch. Entweder wird Fibromyalgie nicht erkannt, oder sie muss selbst als Fehldiagnose für andere schwer diagnostizierbare Erkrankungen herhalten.

An Fibromyalgie erkrankte Menschen müssen ihren Weg zur Verbesserung ihrer physischen und psychischen Lebensqualität selbst suchen und finden, im Dschungel der verwirrenden Informationen und mäßig hilfreichen Therapieangeboten. Fibromyalgie gilt heute trotz einheitlicher Leitsymptome als eine individuelle Erkrankung, die eine individuelle Therapie der kleinen Schritte benötigt. Es scheint nicht nur eine, sondern unterschiedliche Ursachen zu geben, die zu dem Beschwerdebild der Fibromyalgie führen. Der Wahrheit am nächsten stehen die Betroffenen, und sie sind es letztlich, die Antworten geben könnten, welche stetig mit dem aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand abgeglichen werden sollten, um das Rätsel lösen zu können.

Meiner Erfahrung nach gibt es viele Erkrankungen, welche die Symptome der Fibromyalgie produzieren. Gemeinsamer Nenner ist, dass es sich in der Regel um endokrine, immunologische und hormonelle Störungen, Erkrankungen oder Dysbalancen handelt, die nicht gefunden oder unterschätzt werden. Diese sind nicht unbedingt heilbar, aber möglicher Weise gut therapierbar.

Mein beratendes und begleitendes Angebot richtet sich an Menschen, die unter den Symptomen der Fibromyalgie leiden, mit oder ohne Diagnose, die sich nicht aufgegeben haben und den möglichen Ursachen ihrer Symptome näher kommen wollen.

Fibromyalgie: Vier Erklärungsansätze auf einen Blick

Vier Erklärungsansätze auf einen Blick

Vier Erklärungsmodelle haben sich durchgesetzt, die alle einen Teil zur Lösung des Rätsels FMS beitragen können und Betroffene haben die Möglichkeit, sich Antworten zusammenzusuchen. Leider gibt es  viele Selbsthilfegruppen, die unterschiedliche Erklärungsmodelle für FMS und Co haben, aber teilweise miteinander konkurrieren, statt zusammenzuarbeiten.

Die Schmerztheorie geht von einer Schmerzerkrankung unbekannter Ursache aus. Das multimodale Therapiekonzept ist hilfreich, um die Symptome einige Zeit mehr oder weniger zu lindern und sollte auch dringend genutzt werden. Die wirklichen Ursachen werden aber weder gesucht noch GEFUNDEN und viele Ärzte und Betroffene verwechseln Fibromyalgie mit unbekannter Ursache, mit Krankheiten, deren Ursache bekannt ist und die typischen Fibromyalgie Symptome aufweisen. Fibromyalgie ist keine Schmerzverarbeitungsstörung, sondern eine Stressverarbeitungsstörung.

Die Guaifenesin Therapie von Dr. Amand sieht die Ursache der FMS in einem fehlenden Enzym, das Phosphate abbaut, die sich, in Muskeln und Gelenken einlagern und Schmerzen verursachen. Guaifenesin, ein pflanzliches Hustenmedikament, soll dieses fehlende Enzym ersetzen und die Stoffwechselstörung beseitigen. Diese Theorie ist falsch, wird aber von ihren Anhängern massiv verteidigt. Aber Amands Beobachtung, dass FMS häufig mit Blutzuckerschwankungen von Unterzuckerungen bis zum Diabetes einhergeht und sich mit den Fibromyalgie-Symptomen überschneiden, ist richtig. Eine kohlenhydratarme Ernährung kann relativ schnell Abhilfe schaffen, denn der Blutzucker ist einer der zentralen Dominosteine, der im Verlauf der FMS purzelt. Amand ist einer der wenigen Ärzte, die mit dem Mythos: Unterzuckerungen, Blutzuckerschwankungen und Diabetes seien nicht schmerzhaft, aufgeräumt haben. Anhänger der Guaifenesin Therapie profitieren daher von der Erkenntnis, dass ein zentraler Dominostein, der Blutzucker, gefunden und behandelt wird

Prof. Bauer, ein Handchirurg, glaubt die Ursache der FMS in Eiweißablagerungen an den Akkupunkturpunkten gefunden zu haben, die operativ entfernt werden können. Diese Operationen werden von der Krankenkasse nicht bezahlt, sind sehr teuer und nicht nachhaltig, weil diese ominöse Stoffwechselstörung als Ursache nicht belegt ist und auch wiederkommt. Richtig ist aber, dass neben einer körperlichen Überanstrengung, auch hormonelle Störungen z.B. in Schilddrüse und Blutzucker zu orthopädischen Problemen führen können, die operativ beseitigt werden müssen. Karpaltunnelsyndrom, Schnappfinger und Verengungen von Bändern und Sehnen in Händen und Füßen sind häufige Folgeschäden lang anhaltender Hormonstörungen. Richtig ist darum auch, dass FMS Betroffene gehäuft bei einem Hand- oder Fußchirurgen vorstellig werden. Ohne eine entsprechende Diagnose, vier überteuerte Operationen vornehmen zu lassen, ist nicht nachvollziehbar.

Befürworter der Psycho-neuro-endokrinen-immunologie gehen von mehreren Ursachen bei FMS und Co aus, welche in den Steuerungssysteme des Körpers zu finden sind. Diese Steuerungssysteme sind untrennbar miteinander verwoben, dass bei anhaltenden Störungen ein System nach dem anderen zusammenbrechen kann = Dominoeffekt. Die Psyche wird zwar in Mitleidenschaft gezogen, aber sie ist nur selten eine der Ursachen. Jede Ursache ist ein Dominostein, der wieder aufgestellt werden muss. Der biochemische Ansatz ist eine Synthese aller vorgestellten Modelle und beantwortet viele  Fragen, welche bei den anderen Modellen offen bleiben.

Das Feld der biochemischen Sichtweise ist groß und kompliziert, in das man sich hineinarbeiten muss. Hier besteht die berechtigte Hoffnung, den Ursachen der Symptome der FMS auf den Grund zu kommen und Verbesserung herbeizuführen.

Diagnose Fibromyalgie! Und was kommt jetzt?

Was Sie wissen sollten

So betitelt Joachim Peters, der an Fibromyalgie leidet, seinen Ratgeber und kommt zu dem Ergebnis, dass für Betroffene früher oder später ein Rentenverfahren unausweichlich bleibt. Diagnosen haben nach Manfred Lütz (Psychiater und Psychotherapeut) nur den Sinn, erkrankten Menschen eine hilfreiche Therapie zukommen zu lassen. Kann eine Diagnose dies nicht leisten, ist sie nach Lütz weder wahr noch unwahr, sondern wenig hilfreich. In diesem Fall schlägt er einen Perspektivenwechsel vor. Ein Perspektivenwechsel bedeutet, sich die Diagnose Fibromyalgie aus dem Blickwinkel der Nützlichkeit für die dahinterstehende Theorie und der daraus abgeleiteten Therapie, zu betrachten.

Wie nützlich ist die Diagnose Fibromyalgie für Betroffene? Zum einen bringt sie zunächst eine große Erleichterung und befreit Betroffene von dem Stigma des „arbeitsscheuen Simulanten“ oder des „völlig verrückten Irren“. Die Diagnose Fibromyalgie liefert Erklärungen für das bisher Unerklärliche, was zunächst zur Beruhigung der Betroffenen und seiner Umwelt beiträgt. Auch Hoffnungen auf neue therapeutische Möglichkeiten erwachen, die sich allerdings letztlich nicht erfüllen. Zum anderen birgt die Diagnose Fibromyalgie die Gefahr der therapeutischen Stagnation. Unheilbar und austherapiert heißen hier die Schlagworte, welche die Suche nach weiteren möglichen Ursachen beenden. Sowohl bei Ärzten, als auch bei Betroffenen.

Wie nützlich sind die etablierten Theorien für Fibromyalgie-Betroffene, die sich um die „Wahrheit“ streiten, anstatt gemeinsam nach ihr zu suchen. Nach Lütz ist eine Theorie weder unwahr noch wahr. Ausschlaggebend ist auch hier, ob sie für Betroffene hilfreich ist, oder nicht. Meiner Erfahrung nach enthält jede der etablierten Theorien für sich genommen etwas nützliches, aber nicht genug, um Fibromyalgie-Betroffenen einen zufriedenstellenden, hilfreichen Behandlungsansatz zu bieten.

Ein Perspektivenwechsel bei Fibromyalgie bedeutet, die hilfreichen Therapieangebote der unterschiedlichen Erklärungsmodelle zu nutzen, und weiter nach hilfreicheren Erklärungsansätzen und Therapiemöglichkeiten zu suchen. Demnach gibt es Menschen, die unter den Symptomen der Fibromyalgie leiden. Was Fibromyalgie ist, muss noch geklärt werden.

Psychoneuroimmunologische Forschungen gehen davon aus, dass die Ursachen der Fibromyalgie und ähnlichen Erkrankungen auf Störungen des Immun-, Hormon-und Nervensystems zurück zu führen sind. Aufgrund der Vernetzung dieser Systeme stellen sich z.B. bei einer Autoimmunerkrankung auch neurologische und hormonelle Beschwerden ein. Ein hoffnungsvoller Ansatz!

Literatur:

Joachim Peters: Diagnose Fibromyalgie. Und was kommt jetzt? Was Sie wissen sollten (2009). (Wenig hilfreich)

Manfred Lütz: IRRE! Wir behandeln die Falschen. Unser Problem sind die Normalen (2009) Gütersloher Verlagshaus.

Christian Schubert: Psychoneuroimmunologie und Psychotherapie (2011) Schattauer.