Fibromyalgie, ein Leben im Alarmzustand

Schmerz- oder Stressverarbeitungsstörung?

Der Körper von Fibromyalgie-Betroffenen befindet sich ständig im Allarmzustand, da ihre Stresshormone nicht herunter fahren können.

Die Frage: „was ist Fibromyalgie?“ beantwortet die Schmerztheorie mit: „Der Schmerz ist die Krankheit“. Ursache sei eine Störung der Schmerzverarbeitung. Der nicht verarbeitete Schmerz tauche dann als „Flashback“ grundlos und wahllos an anderen Körperstellen auf. Es wird von einer Art Phantomschmerz ohne erkennbare Ursache ausgegangen.

Kommt der Schmerz vom Nervensystem, befällt er den ganzen Körper. Im oberen Nacken, im Oberbauch und im unteren Rücken befinden sich Nervengeflechte, die über den ganzen Körper Schmerzen ausstrahlen können, ohne dass ein in der Nähe liegendes Organ krank ist.

Doch was hält die Nervenschmerzen aufrecht, warum kommt das Nervensystem bei Fibromyalgie nicht zur Ruhe? So wie bei anderen, die einen Hexenschuss oder steifen Hals in wenigen Wochen wegstecken können? Warum lassen sich die Muskelverspannungen nach einigen Massagen nicht lösen?

Es ist Stress, der den Körper in einen dauerhaften Alarmzustand versetzt. Stress wird hormonell gesteuert, eng verbunden mit dem Nervensystem. Gelingt das Abschalten der Stressreaktion nicht, arbeiten Stresshormone und Nervensystem auf Hochtouren. Die bekannten Funktionsstörungen stellen sich ein: der Schlaf ist nicht mehr erholsam, die Belastbarkeit lässt nach, die Verdauung macht was sie will, die Muskeln verspannen und Schmerz und Erschöpfung breiten sich aus.

Geht man von einer Stressverarbeitungsstörung statt einer Schmerzverarbeitungsstörung aus, kommt man den Ursachen der Fibromyalgie sehr viel näher. Je länger der Körper in dem dauerhaften Alarmzustand ist, desto mehr Funktionen geraten außer Kontrolle. Erst nur zeitweise, später chronisch.

Um die Fibromyalgie stoppen zu können, stellt sich hier die entscheidende Frage: „Was bringt die Stresshormone und das Nervensystem derart in Wallungen, dass die Steuerung versagt?

Die Auslöser der Fibromyalgie sind körperlicher und psychischer Stress in Form von Krankheiten, Unfällen, Operationen, Überforderungen, Todesfälle, schwere Kindheit etc. Das aber erleben viele Menschen und bekommen keine Fibromyalgie.

Demnach muss bei Fibromyalgie mehr als Stresshormone und Nervensystem außer Kontrolle sein. Es ist das Immunsystem, das untrennbar mit Hormonen und Nerven verbunden ist.

Wenn Du Fibromyalgie hast, bist Du ernsthaft krank! Nur Du kannst Dir helfen

Jeder Fibromyalgie Ratgeber betont, wie wichtig Selbstverantwortung und Eigeninitiative der Betroffenen für eine Verbesserung der Erkrankung sind. Jeder Betroffene kommt irgendwann zu dem Schluss, dass er sich nur selber helfen kann. Aber wie soll das gehen?

Da Fibromyalgie schleichend, in Schüben und mehreren Phasen verläuft, ist es zunächst einmal wichtig, zu verstehen, dass Du wirklich krank bist. Zu Beginn der Erkrankung ist das nicht leicht. Schubfreie Zeiten, in denen es besser geht, nähren die Hoffnung eigentlich nicht wirklich krank zu sein. Dann folgen Zeiten schmerzhafter Schübe mit vielfältigen Symptomen. Du fühlst Dich elend und sterbenskrank. Auf der Suche nach Hilfe triffst Du auf Unverständnis oder hilflose Ärzte. Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung machen sich breit. Bis es wieder von selbst besser wird, und Du hoffst … dieser Teufelskreis kann Jahre dauern.

Diese unterschiedlichen gesundheitlichen Zustände und Gefühle verunsichern und zerreißen die Betroffenen. Du kannst zeitweise nicht einschätzen, ob Du wirklich und wenn wie schwer erkrank Du bist oder nicht. Entsprechend verhälst Du Dich auch. Die Krankheit wird zeitweise geleugnet, Du versuchst Deinen Verpflichtungen nachzukommen wie ein Gesunder. Betroffene weigern sich oft Medikamente zu nehmen, bis es nicht mehr geht. Und wenn es nicht mehr geht, muss Du nicht selten um Krankschreibungen und später um Erwerbsminderung, Schwerbehinderung und Frührente kämpfen.

Je früher Du gegen jede Widrigkeit erkennst, dass Fibromyalgie eine ernsthafte körperliche Erkrankung ist, desto selbstverantwortlicher kann Du ihr begegnen. Nur wenn Du in Kopf und Bauch verstanden hast, dass Du körperlich krank bist, kannst Du Dich  entsprechend verhalten. Erst wenn die eigene Schonung dem Leistungsprinzip weicht, wenn notwendige Medikamente akzeptiert werden, wenn der Erkrankung entsprechende Verhaltensveränderungen umgesetzt sind, kann von Eigeninitiative und Selbstverantwortung die Rede sein.

Zur Eigeninitiative gehört auch nach neuen Erkenntnissen und Therapien zu suchen, sich selbst nicht aufgeben und ausprobieren was hilfreich erscheint.

Die Forschung steht nicht still, auch wenn es manchmal so scheint!

Fibromyalgie: Stress, Darm und Autoimmunerkrankungen

In den letzten Beiträgen habe ich dargestellt, wie krankheitsbedingter und emotionaler Stress Hormone und Stoffwechsel durcheinander wirbeln können. Und wie sich die Symptome der Fibromyalgie nach einander entwickeln. Jede weitere Störung produziert neue Symptome! Nebenniere, Schilddrüse, Blutzucker sind am häufigsten betroffen.

Stress schädigt auch den Darm und das Immunstem!

70% des Immunsystems befindet sich im Darm. Zu den frühen Fibromyalgie Beschwerden gehören Magen- und Darmprobleme. Durch Antibiotika, Magensäurebocker, Diclofenac, Dauerstress, falsche Ernährung, Infektionen usw. kommt zunächst das Gleichgewicht der Darmflora aus dem Takt.

Schädliche Darmbakterien überwuchern die nützlichen Darmbakterien. Das Immunsystem wird irritiert und es kommt zu entzündlichen Reaktionen der Darmschleimhaut. Wird dies ein Dauerzustand, kommt es zu einer Dauerüberregung der Darmnerven. Schließlich folgt eine Schädigung der Darmschleimhaut im Dünndarm.

Das Leaky-Gut-Syndrom entsteht.
Die Darmschleimhaut bekommt Löcher. Jetzt können Bakterien, Viren, Gifte, Fettsäuren, Nahrungsmittelpartikel ungehindert in die Blutbahn kommen und im ganzen Körper Entzündungsreaktionen hervorrufen.

Den bekannten Magen-Darm-Beschwerden folgen weitere Symptome, die nicht mit dem Darm in Verbindung gebracht werden. Allergien, Migräne, Kreislauf, Rheuma und weitere Autoimmunerkrankungen sind die Folgen.

2008 konnte Sprotter in einer Studie nachweisen, dass FMS-Betroffene gehäuft eine Barriere Störung der Dünndarmschleimhaut aufweisen. Bei Autoimmunkrankheiten geht man von nahezu 100% aus.

 

Fibromyalgie, Stress, Hormone und Stoffwechsel

Ein Hauptauslöser von Fibromyalgie ist langer chronischer Stress. Es kann sich um emotionalen Stress und/oder körperlichen Stress (Krankheiten, Unfälle) handeln. Auch Gifte wie Rauchen oder Alkohol bedeuten Stress.
Nicht zu vergessen die positiven Aufregungen wie der Traummann, das Traumhaus, der Traumjob.

Welche Art von Stress, ist dem Körper egal. Die Stresshormone springen an. Besteht Dauerstress, kann der Körper nicht mehr zur Ruhe kommen und wird krank.

Im weiteren Verlauf werden durch die Dauerüberforderung weitere Hormonachsen wie z.B. der Gehirnstoffwechsel und der Blutzucker aus dem Gleichgewicht gebracht. In welcher Reihenfolge ist individuell.
Spielen mehrere Hormonachsen verrückt, sind verschiedene Stoffwechselstörungen die Folge.

Im Fokus stehen hier die Stoffwechselstörungen, die eng mit Hormonen zusammenhängen, wie Diabetes und die Schilddrüsen Unter- oder Überfunktion. Aber auch Autoimmunerkrankungen können entstehen oder schon vorhanden sein. Sehr früh treten Magen-Darm-Probleme auf.

Je mehr der Körper aus dem Gleichgewicht kommt, desto mehr und unterschiedliche Symptome treten auf. Kommt ein Schmerzschub, folgt eine Kettenreaktion von unterschiedlichen Symptomen, die sich immer schwerer beruhigen. Jedenfalls im fortgeschrittenen Stadium.

 

Der Teufelskreis Fibromyalgie

Der Teufelskreis beginnt meist in jungen Jahren mit einer Krankheit, einem schweren Unfall und/oder einem seelischen Trauma. Diese Ereignisse rufen eine Stressreaktion hervor, die nicht beendet werden kann, solange die Krankheit aktiv ist, solange die Unfallfolgen nicht beendet sind, solange das seelische Trauma nicht verarbeitet ist.

Bei den Krankheiten handelt es sich oft um autoimmune Reaktionen oder Stoffwechselstörungen, die sich im Laufe der Jahre zu Autoimmunerkrankungen, Hormonstörungen und Stoffwechselerkrankungen entwickeln können. Es können auch schwere Virusinfektionen sein, die vom Immunsystem nicht vollständig bekämpft werden können und weiter Symptome verursachen.

Schwere Unfälle können langwierige Operationen, Behinderungen und eine vollständige Veränderung des Lebens nach sich ziehen. Seelische Traumata sind z.B. lang andauernder sexueller oder emotionaler Missbrauch, Misshandlungen oder der Tod eines nahestehenden Angehörigen.

Diese stressbehafteten Vorbelastungen bedeuten einen schweren Start ins Leben:
Schule, Pubertät, Ausbildung, Beruf, Heirat, Kinder usw. sind Lebensabschnitte, die je nach Lebensplan durchlaufen werden wollen. Zusätzlicher Stress ist die Folge.

Menschen, die aufgrund ihrer Vorgeschichte unter Dauerstress leiden sind diesen Anforderungen nicht gewachsen. Wer sich in diesem Zustand den Herausforderungen des Lebens stellt, begibt sich in eine Spirale von Stress und Zusammenbrüchen, die im Falle von Fibromyalgie, in Krankheit, Arbeitsunfähigkeit und Frührente enden können.

In jungen Jahren fehlen Erfahrung und Einsicht, dass Dauerstress die Lebensqualität mehr und mehr einschränkt. Das Leben will gelebt werden, mit allem was dazu gehört. Es kommt zu einer dauerhaften Überforderung. Eine Stressverarbeitungsstörung, entwickelt sich, die irgendwann nicht mehr reversibel ist.

Je früher die Stressspirale unterbrochen wird, desto höher sind die Chancen schmerzfreier zu leben und nicht alle Stadien der Fibromyalgie durchlaufen zu müssen. Die auslösende Krankheit muss ebenfalls gefunden und behandelt werden.