Neurasthenie und Fibromyalgie

Ist Fibromyalgie die „Neurasthenie“ des 19. Jahrhunderts?

Das chronische Müdigkeits-Syndrom (CFS) sowie das Fibromyalgie-Syndrom (FMS) weisen folgende Leitsymptome auf:

  • Müdigkeit/Erschöpfung und generalisierten Muskelschmerz auf.
  • Zusätzlich werden diese Krankheitszustände von vielen vegetativen, funktionellen und psychischen Symptomen begleitet.

Diese Symptome wurden erstmals im 19. Jahrhundert von Beard beschrieben und als eine Neurose mit dem Namen „Neurasthenie“ begriffen. Die dort beschriebenen Symptome wie „… allgemeine Schwäche, Reizbarkeit, Kopfweh, Depression, Schlaflosigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten und mangelnde Fähigkeit, Freude zu empfinden …“ (ICD 10 in Peter A. Berg. S. 3), die mit dem heutigen Fibromyalgie-Syndrom übereinstimmen. Chronische Leistungsschwäche, generalisierter Schmerz, viele Funktionsstörungen und vegetative Symptome sind die heutigen Diagnosekriterien des alten Krankheitsbildes.

Neurasthenie tritt in zwei Formen auf, die sich überschneiden können. Zum einen treten die Leitsymptome, gefolgt von funktionellen und vegetativen Symptomen nach geistiger Anstrengung auf, zum anderen nach geringer körperlicher Anstrengung. Bei beiden Formen ist Entspannung nur schwer oder gar nicht möglich.

Ein bekanntes Fallbeispiel ist Rahel Varnhagen (1771-1833), dokumentiert von Carola Stern: Der Text meines Herzens: Das Leben der Rahel Varnhagen. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1994

In ihren Briefen an Freunde schreibt Rahel von „… Schmerzausbrüchen, Kopfschmerzen, Erbrechen, Halsweh, Gliederschmerzen, Brustkrämpfe und Atemnot (…) Nervenschmerzen und Fiberanfällen (…) Die Briefe müssen unterbrochen werden, weil ihr plötzlich schwindelt; (…) weil sie die Feder nicht mehr halten kann. Oft liegt sie wochenlang im Bett.“ Peter A. Berg erkennt in dieser Beschreibung Migräne und einen schweren Rheumatismus, „der sich mit heftigem Fiber auf Muskeln und Nerven legt. Die Schmerzen ziehen vom Rücken ins Genick, strahlen von dort auf die Arme aus und befallen von der Hüfte abwärts, das ganze rechte Bein“ Rahel beschreibt auch eine starke Wetterfühligkeit, mit verstärkten Symptomen, die sich bei warmen, trockenen Wetter besserten. (Carola Stern in Berg S. 3).

Quelle: Peter A. Berg. Hrsg.: Chronisches Müdigkeits- und Fibromyalgie-Syndrom S. 3-4; Springer Verlag Berlin, Heidelberg 1999, 2003

„… 1833 verschlimmert sich das Leiden von Rahel (62), was sie das ganze Leben schon mit sich trägt. Schwindel, Migräne und Krampanfälle. Was sie schon so oft ans Bett gefesselt hatte, wird auch Ihr Tod sein. Sie stirbt am 7.März 1833 …“
Quelle: https://freie-referate.de/deutsch/zusammenfassung-carola-stern

Damals gab es noch keine Psychoneuroimmunologie, die diese Symptome bzw. Syndrome mit Störungen der Zusammenarbeit zwischen dem autonomen Nervensystem, dem endokrinologischen System und dem Immunsystem erklärt. Die Medizin dachte noch in zwei Kategorien, die erkranken können. Der Körper oder die Psyche, eine falsche Denkweise, die leider heute noch vorherrscht. Krankheiten und Symptome, denen keine körperlichen Ursachen zugeordnet werden können, müssen damals wie heute psychischer Natur sein. Die Fibromyalgie kann weder erklärt noch behandelt werden, weil die Steuerungsorgane des Körpers nicht mitgedacht werden. Diese können ebenfalls erkranken oder gestört sein und die Vielfalt der Beschwerden von Fibromyalgie hervorrufen.

Berg vertritt die Ansicht, dass die Symptomatik der Fibromyalgie die genetischen, individuellen Fähigkeiten des neuroendokrinen-limbischen Regelsystems widerspiegelt, das auf psychischen und physischen Stress reagiert. Diese körperlichen, biochemischen Reaktionen lösen Störungen aus, die sich zurückbilden können, wenn die auslösende Ursache nicht mehr besteht. Infolge einer dauerhaften Stresseinwirkung können die Störungen chronisch werden, aber reversibel bleiben.

Die heute in Vergessenheit geratene Diagnose Neurasthenie entspricht auch meiner Einschätzung nach der heutigen Fibromyalgie. Sie kommt aber erschreckend häufiger vor, als im 19. Jahrhundert. Dies führe ich auf unsere hektischen, ruhelosen Zeiten zurück, die seit der industriellen Revolution immer schnelllebiger werden und alle Lebensbereiche mit hochgradigen Stressfaktoren belasten. Dauerstress führt zu Störungen in den Steuerungssystemen unseres Körpers, wie schwer, ist sicher auch von genetischen und individuellen Faktoren abhängig ist. Im Gegensatz zu Berg habe ich die Erfahrung gemacht, dass nicht jede so entstandene Störung wieder reversibel ist. Und zwar dann, wenn sich unheilbare Erkrankungen entwickeln, z. B. Autoimmunerkrankungen, die das Immunsystem dauerhaft fehlleiten. Gute Therapien sind aber auch hier möglich.

Funktionsstörungen wie Magen/Darm, Schmerzen in Muskeln, Gelenken, Nerven und viele vegetativen und psychischen Beschwerden wie Migräne, Schwindel, Kreislauf, Reizbarkeit, Ängste, Depression etc. können allerdings stark gebessert werden oder ganz verschwinden, wenn die Grunderkrankung, die hinter den Fibromyalgie-Symptomen steckt, behandelt wird. Belastbarkeit und Stresstoleranz bessern sich ebenfalls, können aber auch Schwachstellen bleiben. Je früher die „Fibromyalgie“ gestoppt werden kann, desto besser und ganzheitlicher bilden sich die Symptome zurück.

 

Hypoglykämie, eine übersehene Krankheit mit unheilbaren Folgen

Exkurs zu Folge 3: Praktische Tipps zu Hypoglykämie

Hypoglykämie, die übersehene, verkannte Krankheit mit unheilbaren Folgen

Mit der Hypoglykämie (Unterzuckerung) hatte ich mit Hilfe von Dr. Amand eine Krankheit gefunden, die in der Schulmedizin faktisch gar nicht existiert, für viele Fibromyalgie Symptome verantwortlich ist und im Blutbild erst Jahrzehnte später als Diabetes sichtbar wird.

Die Hypoglykämie kann bei einigen Betroffenen die Ursache, die Grunderkrankung sein, z.B. bei Betroffenen, mit der Doppeldiagnose Diabetes und Fibromyalgie. Auch bei Männern steht der schwankende Blutzucker oft im Vordergrund der Beschwerden, die ab dem 35. Lebensjahr aufwärts (kann auch im Einzelfall früher sein) auftreten. Blutzuckerprobleme sind aber häufiger die Folge einer anderen Erkrankung, die zu einer Verschlechterung des Krankheitsbildes „Fibromyalgie“ führen. Denn die meisten Fibromyalgie-Erkrankungen beginnen in der Jugend, vereinzelt auch im Kindesalter, mit einem fortschreitenden Charakter.

Merke:

  • Je älter der Betroffene bei dem Auftreten der Fibromyalgie-Symptomen ist, desto wahrscheinlicher ist ein Blutzuckerproblem ursächlich beteiligt. Jungen Menschen mit Fibromyalgie Symptomen, aber auch jedem Betroffenen, empfehle ich, mindestens auf Zucker und Weißmehl zu verzichten, was viele weitere Symptome und einen späteren Diabetes verhindern kann. Den Blutzucker dauerhaft zwischen 70-126 mg/Deziliter zu halten, garantiert mehr Lebensqualität und Symptomfreiheit.
  • Bei Hypoglykämie hat sich die Schulmedizin nicht nur um 20 mg/Deziliter nach unten und nach oben in den Normwerten vertan. Denn irgendwo zwischen 70 mg/Deziliter und weniger und zwischen 126 mg/Deziliter und mehr, entstehen die Symptome der Fibromyalgie, die eigentlich Diabetes-Symptome sind. Die Schulmedizin schweigt sich auch konsequent über 20 Jahre und mehr aus, die Hypoglykämie braucht, um sich zu einem Diabetes zu entwickeln. Vorbeugen ist besser, als leiden.
  • Anzeichen für eine Hypoglykämie zeigen Betroffene, die nach kohlenhydratreichen Mahlzeiten, zwei Stunden später, bzw. generell alle zwei Stunden wieder essen müssen. In diesem Stadium wird Hypoglykämie chronisch und die Ampel für Diabetes steht auf Gelb.
  • Kritisch ist auch, wenn der Hunger Betroffene plötzlich überfällt und sofort etwas Essbares in der Nähe sein muss, um die klassischen Symptome wie Zittern, Panik, Schweißausbruch, zu vermeiden. In diesem Stadium wird Hypoglykämie chronisch.
  • Betroffene, die unter dem gefürchteten Fibro-Nebel leiden, können dieses Symptom mit einer kohlenhydratarmen Nahrung für immer verschwinden lassen.
  • Es kann auch passieren, dass das Sättigungsgefühl und/oder das Hungergefühl verloren geht und endlos gegessen oder gehungert werden kann. Hier hilft, die normalen, gewohnten Portionen, vom Kopf gesteuert, zu essen. Nach ein paar Tagen, setzt das Sättigungsgefühl bzw. Hungergefühl wieder ein.
  • Schwere Hypoglykämie besteht, wenn man, in der Regel in den frühen Morgenstunden zwischen 2 Uhr-5 Uhr aufschreckt, zitternd und schweißgebadet im Bett liegt und sich unfähig fühlt aufzustehen. Versucht man es dennoch, kann es zu einer kurzen Ohnmacht kommen, bis das Adrenalin den Blutzuckerspiegel wieder anhebt oder etwas Zuckerhaltiges gegessen wurde. Ärzte, die Hypoglykämie als Krankheit abstreiten sagen, dass diese Ohnmachtsanfälle nur bei insulinpflichtigen Diabetikern vorkommen, wenn sie sich zu viel Insulin gespritzt haben. Das stimmt nicht, es kommt aber nur sehr selten vor und endet nicht tödlich, auch wenn man sich so fühlt.
  • Nach der hormonellen Achterbahnfahrt Hypoglykämie folgt ein Stadium, indem der Blutzucker im Durchschnitt zu hoch ist, was irgendwann im Blutbild auch ersichtlich wird. Der Prä-Diabetes ist erreicht und die Diabetes-Ampel steht auf Rot. Wer hier nicht die Kohlenhydrate dem vorhandenen Insulin entsprechend runter schraubt, steuert sehenden Auges in den Diabetes.
  • Ein Diabetes kann in jedem Vorstadium mit einer entsprechenden Diät gestoppt werden!!! Dennoch gilt: Je früher, desto besser. Ein sehr hoher Prozentsatz der Fibrolmyalgiebetroffenen leidet auch unter Störungen des Blutzuckers und wissen es nicht!!!

Nachdem ich das Zuckerproblem gelöst hatte, schwammen immer noch gravierende Symptome in meinem Suppentopf, die nicht zum Blutzuckerstoffwechsel gehörten. Ich erinnere hier an weitere Hormonachsen: Schilddrüse, Nebennieren, Sexualhormone und Gehirnstoffwechsel, mit denen ich mich in den nächsten Folgen beschäftigen werde. Denn jede Hormonachse kann bei Störungen zu Fibromyalgie Symptomen führen. Die Blutzuckersymptome sind eine der wenigen Gemeinsamkeiten bei „Fibromyalgie“. Ab hier kocht jeder sein eigenes Süppchen, d.h. jetzt kommen unterschiedliche Krankheiten als Grunderkrankung in Frage.

Vertiefende Infos: http://www.psycho-therapie-fibromyalgie.com/category/hypoglykaemie-blutzuckerschwankungen-diabetes/

Autoimmune Erkrankungen und Fibromyalgie

Fibromyalgie und autoimmune Erkrankungen gleichen sich in Synmptomen und Verlauf

Bei Autoimmunerkrankungen zerstört das Immunsystem körpereigenes Gewebe, das fälschlicherweise als körperfremd erkannt wird. Durch Antikörperbildung kommt es zu Entzündungen der Organe oder Systeme, z.B. Nervensystem. Welche Organe oder Systeme angegriffen werden, ist von der jeweiligen autoimmunen Erkrankung abhängig.

Allgemeine Symptome sind:

Erschöpfung, Magen- Darmprobleme, Entzündungen, Schwellungen

Erste Krankheitszeichen sind:

Allgemeines Krankheitsgefühl, wie eine Grippe, die nicht kommt, Müdigkeit, Muskel- und Gelenkschmerzen, Konzentrationsstörungen, Schwindel und spezifische Symptome der Autoimmunerkrankung, die vorliegt.

Auslösende Ursachen sind:

Erbanlagen, Hormonelle Störungen, Infektionen, Nahrungsmittelunverträglichkeiten- und Allergien Gifte und jede Art von Stress

Allgemeiner Verlauf:

Autoimmunerkrankungen verlaufen meist schleichend, schubartig, begleitet von unspezifischen, individuellen Symptomen, die im Laufe von Jahren chronisch werden. Sie werden in der Regel sehr spät oder zufällig entdeckt.

Die allgemeinen und individuellen Symptome entsprechen denen der Fibromyalgie.

Wie können autoimmune Erkrankungen gefunden werden?

Autoimmunkrankheiten werden spät oder zufällig entdeckt, weil sie die Eigenschaften eines Chamäleons besitzen.

  •  Sie haben häufig einen schleichenden, schubartigen und individuellen Verlauf
  • Die vielfältigen Symptome weisen zunächst auf andere Krankheiten hin
  • Die Basisblutwerte sind in der Regel unauffällig
  • Die Antikörper schwanken und sind nicht immer nachweisbar. Man muss zum richtigen Zeitpunkt bei dem richtigen Arzt sein. Dies geschieht eher zufällig
  • Die Suche nach ihnen ist eine Wissenschaft für sich und kostet sehr viel Zeit

Die Suche nach Autoimmunkrankheiten wird auch durch unser Gesundheitssystem erschwert:

  • Es gibt kaum Fachärzte, die sich allgemein auf Autoimmunkrankheiten spezialisieren. Jeder Facharzt behandelt nur die Autoimmunkrankheiten, die in seinem Fachgebiet auftreten.
  • Bei guten oder grenzwertigen Basiswerten wird nicht weitergesucht, obwohl es dem Patienten sichtlich elend geht. Dies hat einerseits mit den Vorgaben der Krankenversicherungen zu tun. Andererseits kommt es auch auf den behandelnden Arzt an. Wie sehr denkt er mit? Wie gut nutzt er seine Handlungsspielräume?

Autoimmune Krankheiten können schwer diagnostiziert werden, weil es zu wenige aussagekräftige Testverfahren gib. Es gibt hunderte von Autoimmunkrankheiten, von denen man nicht viel weiß, die gerne unterschätzt werden.

Hormonelle Schwankungen, Stoffwechselstörungen und Allergien können mit oder ohne Autoimmunkrankheiten auftreten. Hormonelle Achterbahnfahrten werden weder ernst genommen noch sind sie immer eindeutig messbar. Aber sie sind da und machen das Leben schwer

 

 

HYPOGLYKÄMIE UND FIBROMYALGIE

Exkurs zu Folge 3

DIE ROLLE DER UNTERZUCKERUNG, BLUTZUCKERSCHWANKUNGEN UND DIABETES BEI FIBROMYALGIE

DIAGNOSE HYPOGLYKÄMIE

Bitte stellen Sie sich die Diagnose Fibromyalgie als einen großen Suppentopf vor, indem mehr als 130 Symptome umherschwimmen, die der Fibromyalgie zurechnet werden. Amand hat festgestellt, dass viele dieser Symptome (ca. 30), der Hypoglykämie, der Insulinresistenz und dem Diabetes zugeordnet werden können, die mit einer kohlenhydratarmen Diät verschwinden. Das heißt auch, dass etliche Symptome aus dem Suppentopf der Fibromyalgie verschwinden. Sie gehören nicht zur „Fibromyalgie“, sondern zu Erkrankungen des Blutzuckerstoffwechsels, die gut behandelbar sind.

Die Diagnose Hypoglykämie wird gestellt, wenn der Blutzucker während eines fünfstündigen Blutzuckerbelastungstest unter 50 mg/Deziliter fällt. Die Hypoglykämie zeigt sich, sofern sie da ist, in der vierten Stunde, mit einem krassen Blutzuckerabfall unter 50 mg/Deziliter. Der Normwert des Blutzuckers liegt zwischen 70-100 mg/Deziliter. So die Lehrmeinung.

In der Praxis beobachtete Dr. Amand, dass die meisten Fibromyalgie-Betroffenen über die Symptome der Hypoglykämie klagten, aber im Belastungstest noch einen Blutzucker zwischen 60-70 mg/Deziliter hatten. 58 mg/Deziliter war der niedrigste Wert, den Amand messen konnte, denn unser Körper hat ein Notfallaggregat. Sinkt der Blutzucker zu schnell und stark ab, wird der Körper mit Adrenalin überflutet, das den Blutzuckerspiegel sekundenschnell hebt, was aber mit heftigen Symptomen wie Zittern, Angst oder Panik einhergeht.

Dieser Adrenalinschub stimmt aber nicht mit einem bestimmten Blutzuckerwert überein, sondern kommt bei jeder Person zu einem unterschiedlichen Zeitpunkt. Amand folgerte daraus, dass jeder Mensch seinen eigenen Wohlfühl-Blutzuckerwert hat, der nicht unterschritten werden darf, da sonst die Symptome der akuten Hypoglykämie auftreten. Seitdem orientiert sich Amand nicht mehr nach den Zuckerwerten, sondern nach den Symptomen.

An mir hätte Dr. Amand seine helle Freude gehabt, denn nach der vierten Stunde meines Belastungstests war mein Blutzucker 44 mg/Deziliter. Zehn Minuten später kämpfte ich gegen eine Ohnmacht an, die nur mit einem Glas Fruchtsaft verhindert werden konnte. Die erschrockenen Laborantinnen hatten so etwas nach 33 Jahren Berufspraxis noch nicht erlebt, aber die DKD Wiesbaden bescheinigte mir einen intakten, unauffälligen Blutzuckerstoffwechsel. „Das passiert fast jedem“, wurde mir beruhigend erklärt. Eine glatte Lüge, wie Amands Erkenntnisse und die Reaktion der Laborantinnen belegen. Ohne die Diät von Amand, wäre ich auf ca. 30 meiner Symptome sitzen geblieben. Die Hypoglykämie nach Lehrbuch kann nur sehr selten nachgewiesen werden, ist in den Köpfen der Ärzte nicht präsent, wird verharmlost, ignoriert oder weggelogen, wie bei mir.

Amands Diät ist nicht dauerhaft gedacht. Sie ist geeignet die Symptome der Hypoglykämie, der Insulinresistenz und bei Diabetes (nur unter ärztlicher Aufsicht) schnell verschwinden zu lassen und bei Bedarf an Gewicht zu verlieren. Vorausgesetzt, man mogelt nicht. Nach 2-3 Monaten können langsam wieder Kohlenhydrate zugeführt werden. Auf Zucker und Weißmehl muss dauerhaft verzichtet werden. Wieviel und welche Kohlenhydrate man essen kann, macht Amand an wiederkehrenden Symptomen fest. Die Orientierung an wiederkehrenden Symptomen war mir zu ungenau und ich begann, mit gutem Erfolg, im Blutzucker auszumessen, wieviel Kohlenhydrate und welche ich vertrage.

Fazit 1: Fast alle Fibromyalgie-Betroffene zwischen 40 plus/minus fünf Jahre haben Störungen im Blutzuckerstoffwechsel. Es kann auch in jüngeren Jahren vorkommen, aber seltener. Hypoglykämie, Dysglykämie (Blutzuckerschwankungen hoch und tief) und Hyperglykämie(Insulinresistenz) sind Störungen des Blutzuckerstoffwechsels, die von der Schulmedizin übersehen werden, aber für heftige Fibromyalgie-Symptome sorgen. Bitte nehmt diese Blutzuckerstörungen ernst, denn kein Arzt wird sich darum kümmern. Diese Erkenntnis von Dr. Amand ist eine Atombombe und ich hoffe sehr, ihr hört den Knall. Jüngere Betroffene können mit Verzicht auf Weißmehl und Zucker, diese Entwicklung aufhalten. Hypoglykämie-Dysklyämie-Insulinresistenz-Diabetes, so ist der Verlauf.

Fazit 2: Die Hypoglykämie-Symptome beginnen bei den meisten Betroffenen schon um 70-60 + mg/Deziliter und nicht, bei 50 mg/Deziliter, wie es im Lehrbuch steht. Jeder Mensch hat seine eigene Blutzuckerwertspanne, in der er sich wohlfühlt. Wird diese unter- oder überschritten, bzw. durch Blutzuckerschwankungen einer Achterbahnfahrt ausgesetzt, treten Symptome der Fibromyalgie auf.

Fazit 3: Rasche Hilfe verspricht die Diät, in der nicht gemogelt werden darf, von Dr. Amand über 2-5 Monate, ja nach Länge der Krankheitsdauer. Danach können je nach Verträglichkeit, Kohlenhydrate langsam wieder zugeführt werden. Die Verträglichkeit der Kohlenhydrate sollte nicht nach den wiederkehrenden Symptomen, sondern genauer im Blutzucker gemessen werden. Ihr braucht dafür ein Blutzuckergerät, Lanzetten und Teststreifen. Wie das geht, findet ihr in meinem Blog. Die angegebenen Werte sind Richtlinien nach der Funktionellen Medizin, die das Problem mit den falschen Normwerten auch herausgefunden hat.

http://www.psycho-therapie-fibromyalgie.com/kohlenhydratvertraeglichkeit-testen/

Die Unverträglichkeit von Kohlenhydraten testen

Die Vertäglichkeit von Kohlenhydraten nach der Diät von Dr. Amand testen

Wer die Diät nach Dr. Amand Hypoglykämie stabilisieren hinter sich hat und wieder zusätzliche Kohlenhydrate essen will, sollte wie folgt vorgehen:

  1. Immer nur ein Kohlenhydrat dem Speiseplan hinzufügen z.B. Kartoffeln und mindestens 3-7 Tage essen. Nach langer Abstinenz ist einige Tage genug Insulin vorhanden, das mit der Zeit wieder nachläßt.
  2. Danach vor dem essen der Kartoffeln, eine Stunde nach dem Essen und zwei Stunden nach dem Essen, den Blutzucker messen. Der Blutzucker vor dem Essen sollte 100 mg/Deziliter nicht überschreiten. Nach einer Stunde, sollte der Blutzucker 126 mg/Deziliter nicht überschreiten. Zwei Stunden nach dem Essen, sollte der Blutzucker wieder um die 100 mg/Deziliter oder niedriger sein. Der Normalwert liegt bei 70-100 mg/Deziliter.
  3. Auf diese Weise kann jedes Kohlenhydrat auf Verträglichkeit überprüft werden.
  4. Zucker und Weißmehl müssen vollständig vom Speiseplan gestrichen werden.

Auswertung:

Wird der Wert von 126 mg/Deziliter eine Stunde nach dem Essen nicht zu stark überschritten, kann man es mit einer kleineren Menge Kartoffeln versuchen. Überschreitet der Blutzuckerwert 130 mg/ Deziliter, sollten Kartoffeln vom Speiseplan gestrichen werden und nur bei Ausnahmen gegessen werden. Treten nach ca. 3 Woche verschwundene Symptome wieder auf, sollten schwere Kohlenhydrate nochmals überprüft werden.

Die Vertäglichkeit von Kohlenhydraten testen

Wer die Diät von Dr. Amand nicht machen will, kann seine Verträglichkeit für Kohlenhydrate wie folgt überprüfen:

  1. Ohne Nahrungsumstellung sollte ein 14tägiges Blutzuckertagesprofil erstellt werden: Der Blutzucker wird 14 Tage vor dem Essen, eine Stunde nach dem Essen und zwei Stunden  nach dem Essen gemessen und zwar bei JEDER kohlenhytradreichen Mahlzeit.
  2. Es sollte genau notiert werden, wieviel und welches Kohlenhydrat gegessen wurde.
  3. Der Blutzucker vor dem Essen sollte 100 mg/Deziliter nicht überschreiten. Nach einer Stunde, sollte der Blutzucker 126 mg/Deziliter nicht überschreiten. Zwei Stunden nach dem Essen, sollte der Blutzucker wieder um die 100 mg/Deziliter oder niedriger sein. Der Normalwert liegt bei 70-100 mg/Deziliter. Anamnesebogen Blutzucker

Auswertung:

Alle Kohlenhydrate, die 130 mg/Deziliter übersteigen, sollten vom Speiseplan gestrichen werden und nur in Ausnahmefällen gegessen werden. Wird der Wert von 126 mg/Deziliter eine Stunde nach dem Essen nicht zu stark überschritten, kann man es mit einer kleineren Menge versuchen.

Sind der Wert vor dem essen und eine Stunde nach dem essen einer Kohlenhydratreichen Mahlzeit gleich oder / sogar niedriger, weist das auf eine Hypoglykämie hin. Besonders, wenn der Wert nach drei Stunden um die 70 mg/Deziliter oder niedriger ist.

Bewegen sich die Werte nach der zweiten und dritten Messung zwischen 126 und höher, besteht eine Insulinresistenz und ein Diabetes ist früher oder später im Anmarsch.

Symptome, die nach der richtigen Ernährung verschwinden: Hypoglykämie, Dysglykämie, Insulinresistenz

Die Spalte Diabetes enthält nur die zusätzlichen Symptome, zur besseren Übersicht. Die Symptome der Insulinresistenz etc. sind ebenfalls da. Nicht immer geht ein Diabetes mit einem starken Gewichtsverlust einher. Auch eine starke Gewichtszunahme ist häufig. Diabetes hat noch sehr viel mehr Symptome, als in der Vorphase und kann in Blindheit oder Amputationen von Gliedmaßen enden. Herz-Kreislaufprobleme gehören ebenfalls dazu.