„Das Leben ist schön“

... wenn nicht, sollten Sie versuchen, diesen Zustand so gut es geht zu verändern

Meine Fibromyalgie und ich

Liebe Leserinnen und Leser

wer jetzt eine übliche Fibro-Geschichte erwartet, wird überrascht sein. Ich erzähle Ihnen eine besondere Geschichte, die durch Kampfgeist und Mut der Verzweiflung, eine unglaubliche Wende nahm.

Meine Geschichte beginnt als 14jährige mit unspezifischen Bauch-und Magenbeschwerden. Alle ärztlichen Untersuchungen sind ohne Befund und ich werde für gesund erklärt. Mit 30 Jahren werden die Schmerzschübe häufiger und unerträglich, aber Befunde bleiben weiterhin aus. Schließlich bilde ich mir ein, gesund zu sein. Sollte es etwas Ernsthaftes sein, denke ich, wird sich die Ursache schon zeigen. Was sich Jahre später zeigen sollte, konnte ich mir unmöglich vorstellen.

Anfang 40 ist nicht mehr zu leugnen, dass ich krank bin. Trotz aller Bemühungen geht zeitweise nichts mehr. Recherchen im Internet ergeben, dass meine Symptome der Fibromyalgie entsprechen. „An so etwas dürfen Sie gar nicht denken, dass ist eine schwere psychische Erkrankung“ empört sich ein Amtsarzt, der meine Arbeitsfähigkeit begutachten soll. Seine Diagnose ist Burnout.

Dank Internet finde ich einen Neurologen, der meine Symptome als „Paket“ kennt. Multiple chemische Sensibilität (MCS) heißt seine Diagnose. Eine Therapie ist ihm leider nicht bekannt. Stattdessen zeigt er mir einen Stapel Krankenakten und erklärt: „die sind alle gestorben“.

Sterben will ich nicht, also versuche ich es mit alternativen Therapien, die nicht helfen. Mit 50 Jahren trifft mich ein totaler Zusammenbruch, gefolgt von der Diagnose Fibromyalgie! Endlich die richtige Diagnose, jubele ich und recherchiere nach geeigneten Therapien. Meine Verzweiflung ist bodenlos, als ich merke, dass ich alle Therapiemöglichkeiten schon durchgemacht habe. Die Suche nach einem Facharzt ist schnell beendet, da es 2007 nur sehr wenige Ärzte gibt, die diese Erkrankung beschäftigt.

Zuerst besuche ich Prof. Dr. Johann Bauer, einen Chirurg in der Schweiz. Er hält die Heilung der Fibromyalgie für möglich, indem er Ablagerungen an den Akkupunkturpunkten der Arme und Beine operiert. Die Operationsmethode ist sehr schmerzhaft, von den Krankenkassen nicht anerkannt und sehr teuer. Man hört auch nichts mehr von ihr.

Mein nächster Versuch: die Guaifenesin Therapie von Dr. med. R. Paul ST. Amand, einem Endokrinologen aus Amerika. Nach Dr. Amand liegt die Ursache der Fibromyalgie an einem fehlenden Enzym, das Phosphate abbaut. Die Phosphate lagern sich in Muskeln und Gelenken ein, was zu Schmerzen führe. Guaifenesin, ein Hustenlöser, könne den Phosphatüberschuss ausschwemmen und die Erkrankung in einigen Jahren rückgängig machen. Des Weiteren empfiehlt Dr. Amand eine kohlenhydratarme Diät, da viele Fibromyalgie-Betroffene unter Blutzuckerschwankungen leiden.

Von da an ist das Buch von Dr. Amand meine Bibel. Ich befolge jede Regel der Therapie und es geht mir sofort entscheidend besser – bis fünf Jahre später, der nächste totale Zusammenbruch folgt. Nun weiß ich, dass Guaifenesin keine Rückentwicklung meiner Erkrankung bewirkt hat. Was aber hat die enorme Besserung bewirkt? Die Ursache dafür finde ich ein Jahr später heraus.

Zunächst stehe ich verzweifelt wieder am Anfang. Und die Zeit drängt, denn meine Erkrankung nimmt lebensbedrohliche Züge an. Mittlerweile steht fest, dass bei Fibromyalgie die Stresshormonachse gestört ist. Warum nur die Stresshormonachse, es können doch auch andere Hormonachsen betroffen sein, frage ich und lasse meine Schilddrüse untersuchen, da eine familiäre Disposition besteht.

Witzig ist, dass mein Orthopäde mir anbietet, meine Schilddrüse zu untersuchen. Das erste Ergebnis ist niederschmetternd. Alle Blutwerte sind, wie immer im normalen Bereich, ein Test auf Autoimmunerkrankungen ist nicht erfolgt. Auf mein Drängen hin wird der Test nachgeholt.

Ich bin wahnsinnig aufgeregt und erzähle meinem Freund stundenlang von meiner „heißen Spur“. Leider weiß er am nächsten Tag nichts mehr darüber. Er hat mir einfach nicht zugehört, wie viele Menschen, mit denen ich versuche über meine Krankheit zu sprechen. Auch mein Orthopäde vergisst die Ergebnisse anzuschauen. Auf Nachfrage sieht er in die Akte. Ich kann das Ergebnis an seinem Gesicht klar und deutlich ablesen , das ein unglaubliches Erstaunen ausdrückt, .

Es ist Hashimoto, eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse und ich bin gerettet. Jedenfalls beinahe, denn es müssen noch einige hormonelle Schwankungen in Ordnung gebracht werden. Eine davon ist der Blutzuckerspiegel. Damit ist klar, dass die kohlenhydratarme Diät von Dr. Amand für meine gesundheitliche Besserung verantwortlich gewesen ist.