„Das Leben ist schön“

... wenn nicht, sollten Sie versuchen, diesen Zustand so gut es geht zu verändern

Krankheitsverlauf

Der Verlauf von Fibromyalgie

Fibromyalgie hat einen chronischen, schubartigen Verlauf und lässt sich in drei Phasen einteilen. Erkrankte Menschen erleben das Frühstadium, ein mittleres Stadium und das Vollstadium.

Frühstadium

Fibromyalgie beginnt meist in der frühen Jugend. Die Symptome sind unspezifisch, wie Verstopfung, hier und da Magenbeschwerden, ab und zu Schlafstörungen, leichte Kreislaufstörungen sowie undefinierbare Unterbauchbeschwerden oder Kopfschmerzen. Die Symptomatik ist noch erträglich, so dass ein Arzt nur sporadisch aufgesucht wird. Der Betroffene fühlt sich nicht wirklich krank, aber auch nicht gesund.

Die Krankheitsschübe treten zunächst  selten auf und werden von langen beschwerdefreien Zeiten abgelöst. Auffällig ist nur, dass die betroffene Person im Vergleich zu anderen ihrer Altersklasse häufiger erkrankt, längere Erholungszeiten nach Infektionen benötigt und im Allgemeinen weniger belastbar ist. In diesem Stadium werden häufig sportliche Betätigungen aufgegeben und es kann zu Schul- und Ausbildungsabbrüchen kommen. Hier trifft der Betroffene erstmals auf das Unverständnis seiner sozialen Umwelt. Da er „nicht krank“ ist, wird er als „faul, unmotiviert, dumm oder gar als psychisch krank“ dargestellt und mit dem Anspruch konfrontiert, „sich gefälligst nicht gehen zu lassen“. Der Erkrankte hat jetzt nur noch die Möglichkeit, sich dem Anspruch von außen zu verweigern, oder den Versuch zu starten, den Ansprüchen des lebens gerecht zu werden.

Für diejenigen, die sich für die Erfüllung der äußeren und eigenen Ansprüchen entscheiden, beginnt schon hier eine Überforderungsspirale der körperlichen und geistigen Kräft. Sie leisten auf Dauer Unmögliches, was für andere, nicht betroffene Menschen, problemlos möglich ist. Entscheidet man sich für die Verweigerung der sozialen Ansprüche, wird hier der Weg des sozialen Abstiegs eingeschlagen.

Mittleres Stadium

Das mittlere Stadium ist etwa im Alter von Mitte bis Ende 20 erreicht. Die Schübe treten häufiger auf, die symptomfreien Zeiten verkürzen sich. Die vegetativen, neurologischen, psychischen und internistischen Symptome nehmen zu und werden teilweise chronisch. Erste körperliche und geistige Erschöpfungsattacken treten auf und ärztliche Hilfe wird dringend notwendig. Die Betroffenen suchen einen Facharzt nach dem anderen auf, um Hilfe zu bekommen, die sie letztlich nicht erhalten. In diesem Stadium haben die meisten Betroffenen schon mindestens eine unnötige Operation und ergebnislose Magen-Darm-Spiegelungen, Blasenspiegelungen, Bauchspiegelungen, MRTs etc. hinter sich gebracht. Augenärzte, Zahnärzte, Rheumatologen, Orthopäden, Neurologen, Kardiologen, Internisten, Gynäkologen etc. werden aufgesucht, die aber keine Erkrankung in ihrem Fachbereich feststellen können. Die meisten Patienten resignieren hier, und versuchen weiter ihr Leben so „normal“ wie möglich ohne ärztliche Hilfe zu meistern, was ungefähr bis Mitte 30 Anfang 40 meist mehr schlecht als recht gelingt.

Ab diesem Zeitpunkt beginnt der soziale Überlebenskampf. Die Symptomatik verschärft sich weiter, private und berufliche Probleme gesellen sich dazu. Der Betroffene kann seinen sozialen Aufgaben und Pflichten immer weniger nachkommen, so sehr er auch will. Er versucht die mysteriöse Krankheit vor sich und anderen zu verleugnen und investiert seine letzten Kraftreserven in einen Kampf gegen Windmühlen, der nicht zu gewinnen ist.
Das Unverständnis der Umwelt vergrößert sich parallel zum Fortschreiten der Erkrankung, zumal zunächst keine äußeren Krankheitszeichen sichtbar sind. Das Familien- und Berufsleben bleibt langsam mehr und mehr auf der Strecke. Der Erkrankte versteht sich selbst nicht mehr und wird auch von anderen nicht mehr verstanden. Es kommt zu einem sozialen Rückzug, zur Isolation und depressiven Zuständen.

Vollstadium

Etwa Mitte 40/Anfang 50 ist das Vollbild der Fibromyalgie erreicht. Gute und schlechte Phasen gibt es nicht mehr. Schlechte und sehr schlechte Phasen wechseln sich jetzt ab. Zu diesem Zeitpunkt beginnt der Kampf um das nackte Überleben. Die Berufstätigkeit musste schon aufgegeben werden! Viele Ehen und Freundschaften sind zerbrochen! Der Erkrankte kann sich monatelang nur unter grausamen Schmerzen und tödlicher Erschöpfung zwischen Bett, Bad und Küche bewegen.

Die in der Symptomliste beschriebenen Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen entpuppen sich in der Realität zu einer exitentiellen Bedrohung . Diese schon in den vorgehenden Stadien kurzzeitig (einige Tage) aufkommende Symptomatik entwickelt sich im Spätstadium zu einem „Pseudo- Alzheimer Syndrom“, das sich mehrere Monate hinziehen kann.

Der Betroffene ist zu Tode erschöpft. Das Bedienen von elektrischen Geräten, wie Waschmaschine, Fernbedienung, Lichtschalter etc. ist zeitweise erschwert oder unmöglich. Das Namensgedächtnis ist gestört, Straßennamen, Ortsnamen und Namen bekannter Menschen entfallen. Wortfindungsstörungen stellen sich ein. Orientierungsstörungen führen dazu, dass der Betroffene sich auf dem wohlbekannten Heimweg verirrt. Gegenstände wie Schlüssel, Handtasche, Geld oder Brille werden vergessen oder verlegt und an den unmöglichsten Orten wieder gefunden. Rechnungen werden nicht bezahlt, wichtige Termine werden nicht eingehalten, sogar das Abholen der Kinder wird vergessen. Das logische Denken fällt aus, Schlussfolgerungen und Entscheidungen können nur schwer oder gar nicht gefällt werden. Der Betroffene verliert seine Abgrenzung und wird leicht beeinflussbar. Menschen werden zwar erkannt, aber dem Betroffenen ist nicht bewusst, ob es ich um eine private Bekanntschaft oder einen beruflichen Kollegen handelt. Umgekehrt können Erlebnisinhalte erinnert, aber die dazugehörenden Personen verwechselt werden. Gelesene oder gehörte Inhalte werden vergessen, noch bevor der Satz zu Ende gelesen oder gesprochen ist.  Lesen und Kommunikation wird unmöglich. Die Rechtschreibung wird verlernt und vieles mehr.

Die Fähigkeiten sich zu strukturieren, zu ordnen und zu systematisieren gehen ebenfalls verloren.  Die Wohnung sieht in Kürze aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen und der Fußboden muss nicht selten als Schreibtisch herhalten. Auch die psychischen Folgen der Alzheimererkrankung treten auf. Es kommt zu Angst- und Panikzuständen sowie zu Stimmungsschwankungen bis hin zur Depression und Apathie. Massive Ein- und Durchschlafstörungen kommen hinzu.

Neben den starken körperlichen Beeinträchtigungen hat der Betroffene nun auch gegen immense kognitive Beeinträchtigungen zu kämpfen, was kaum möglich ist, da er in dieser Zeit die Selbststeuerung verliert. Der Betroffene findet sich sprachlos gefangen in einer traumatischen Parallelwelt wieder, während das normale Leben der Nichtbetroffenen zum Greifen nahe an ihm vorbeizieht. Ohne dass er daran teilnehmen kann, und ohne dass jemand sein Drama begreift.

. . . aber so weit muss es nach dem heutigen wissenschaftlichen, medizinischen und therapeutischen Kenntnisstand nicht mehr kommen!